06. Oktober 2019

Die Saarbrücker Ludwigskirche wurde in die Internationale Nagelkreuzgemeinschaft von Coventry aufgenommen


Im Rahmen eines Festgottesdienstes wurde die Saarbrücker Ludwigskirche in die Internationale Nagelkreuzgemeinschaft von Coventry aufgenommen. Anlass war der 75. Jahrestag der Zerstörung der Ludwigskirche in der Nacht vom 5. auf den 6. Oktober 1944 durch britische Luftstreitkräfte.

Reverend David Stone als Vertreter der Kathedrale von Coventry und der Vorsitzende der Deutschen Nagelkreuzgemeinschaft, Oberkirchenrat Oliver Schuegraf, überreichten das Nagelkreuz an Thomas Bergholz, Pfarrer der Kirchengemeinde Alt-Saarbrücken, und Iris Fohr, Vorsitzende des Fördervereins „Freunde der Ludwigskirche“.   

 

Zur Nagelkreuzgemeinschaft von Coventry gehören über 200 Kirchen und Schulen in aller Welt, die sich zu Frieden und Versöhnung verpflichtet haben. In Deutschland gibt es 70 Nagelkreuzzentren. Anlass für die Gründung der Nagelkreuzgemeinschaft war die Zerstörung  der Kathedrale von Coventry durch die deutsche Luftwaffe am 14. November 1940. Statt auf Rache setzte der damalige Dompropst Richard Howard und seine Nachfolger auf Versöhnung. Nicht Bitterkeit, Hass oder der Wunsch nach Vergeltung sollten die Zukunft prägen, sondern die Hoffnung auf  Vergebung und Frieden. Als Zeichen dieser Verpflichtung und Verheißung formte Pfarrer Arthur Wales aus drei Zimmermannsnägeln aus den Dachbalken der verbrannten mittelalterlichen Kathedrale ein „Nagel-Kreuz“.

 

Das Nagelkreuz wird nun auch in der Ludwigskirche einen Platz bekommen. Jeden Samstag wird im ökumenischen Mittagsgebet die sogenannte Nagelkreuz-Litanei gebetet. „Wir wollen mit weiteren Veranstaltungen einen Beitrag dazu leisten, dass aus dem Leid der Vergangenheit Versöhnung und Frieden wachsen kann“, sagt Bergholz.

 

Die Ansprache im Gottesdienst hielt der langjähriger Rundfunkpfarrer im Saarland, Hans Dieter Osenberg. Er war damals 15 Jahre alt und erlebte den Krieg im Rheinland. Osenberg ging auf die Gründe für all die Zerstörungen und dem „Schlimmen was danach noch kam“ ein. „Alles hat seine Ursachen in den Jahren 1933 und 1935, als unsere Voreltern im Reich den braunen Zerstörern der Demokratie zur Macht verhalfen und als den Saarländern zu 90 Prozent die Liebe zu Deutschland wichtiger war, als die Abkehr von einem Diktator.“

 

Osenberg warnte davor die Geschichte zu vergessen: Könne man verstehen, wenn die neue Verteidigungsministerin, die keinen Krieg kennt, als erstes schon gleich mehr Geld für eine stärke Aufrüstung fordere? Bei seiner Generation läuteten „die Alarmglocken, wenn das eigene Volk von vielen wieder heilig gesprochen und fremdes Land missachtet“ werde. Osenberg: „Die Ludwigskirche oder die Frauenkirche in Dresden – um nur zwei zu nennen sind in alter Schönheit wieder erstanden. Manchmal denke ich, wir hätten sie als Ruinen, als sichtbare Wunden bis heute dringend gebraucht. Weil wir so geschichtsvergessen, so schuldvergessen sind.“

 





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